Test: Transporttasche Big Bike Bag von Vaude


Mit der Transporttasche in den Zug

 

Die meisten, die einmal mit dem Rad im Zug verreist sind, kennen die Probleme:  Zunächst mal muss man einen Zug finden, in dem man sein Fahrrad überhaupt transportieren darf; denn das ist im ICE z.B. nicht möglich. Schnelles Reisen von München nach Berlin fällt also erstmal aus. Außerdem wird für die Fahrradmitnahme eine zusätzliche Fahrkarte benötigt, die dann z.B. 9 Euro für inländische Fahrten kostet – pro Strecke! Und schließlich muss man neben großen Rucksäcken auch noch ein Fahrrad durch die Massen am Bahnhof lavieren, was bei kurzen Umsteigezeiten sehr schnell für Stress sorgen kann. Hinzu kommt, dass man bei der Sitzwahl eingeschränkt ist, da man natürlich lieber in Nähe der Fahrradabteile sitzt, als am anderen vom Zug.

Eine Lösung für das ganze Dilemma sind Transporttasche bzw. Radtaschen. Und damit sind nicht die „Täschchen“ gemeint, die man auf das Fahrrad schnallt um darin sein Picknick-Brot zu verstauen. Es geht um Taschen, in denen man Fahrräder verstauen kann. Denn dann lässt sich das Fahrrad als ganz normales, vielleicht etwas übergroßes Gepäckstück,  in jedem Zug und theoretisch jedem Flugzeug aufgeben. Und das, zumindest in Zügen, sogar ohne Zusatzkosten.

Ich habe mir deshalb mal die Transporttasche Big Bike Bag von VAUDE angeschaut. Diese ist z.B. bei Amazon für knapp 78 Euro anstatt 100 Euro erhältlich.

Ausstattung

Die Transporttasche Big Bike Bag ist im ausgebreiteten leeren Zustand 130 cm lang und 85 cm hoch sowie 28 cm breit.  Wenn man die Tasche für den Transport zusammenrollt kann man sie auf ca. 60 mal 20 cm komprimieren. Das Gewicht beträgt laut Hersteller 313 Gramm. Das Material besteht aus beschichtetem Polyester Polyurethane und dürfte damit wasserdicht sein – auch wenn es in den Zügen für gewöhnlich selten regnet. Außerdem wird die Tasche mit einem Reißverschluss verschlossen, an dem zwei Zipper hängen. Es gibt darüber hinaus zwei lange Schlaufen, die mit Klettverschluss verbunden werden können, um die Tasche über der Schulter zu tragen und zwei kleinere Handschlaufen an den Seiten, um die Tasche zu stabilisieren.

Die weiße Naht, die einmal die Ränder umläuft und quer über die Tasche geht, sorgt für eine gute Stabilität, erschwert allerdings auch das zusammenrollen. Das ist aber nicht weiter tragisch, die Tasche will ja befüllt werden!

An den Seiten der Transporttasche sind jeweils Polster-Flächen (17 x 20 cm) eingenäht. Dort befinden sich später die Achsen der Laufräder, womit diese halbwegs geschützt sein dürften. A pro pos Schutz: Der ist natürlich nicht sehr ausgeprägt, da es sich um einen einfachen Kunststoff handelt. Die Hülle macht zwar einen sehr robusten Eindruck, gegen starke Stöße oder gar Diebstahl bietet die Tasche aber absolut keinen Schutz. Es ist eben eine Tragetasche und kein Koffer.

Neben den zwei Innentaschen für die Laufräder gibt es noch zwei kleinere Taschen für z.B. Pedale oder Werkzeuge. Alle Innentaschen lassen sich mit breiten Klettverschlüssen „verschließen“. Und natürlich gibt es, wie es sich für Reiseutensilien gehört, ein ausziehbares Name-Tag, auf dem man Namen und Adresse vermerken kann.

Handling

Mein Fahrrad ist circa 1,75 m lang, 1 m hoch (bis zum Lenkeransatz)  und dank Lenker 63 cm breit. Keine Frage: Ich muss beide Laufrad abmontieren und den Lenker drehen. Zumindest die Kurbeln können aber so bleiben, da die Tasche breit genug und flexibel ist. Wer das Innenleben der Tasche nicht unnötig verschmutzen will – die Innentaschen sind aus hellem Stoff, sollte die Antriebseinheit, also Kette und Zahnräder, mit einer Kunststofftüte oder ähnlichem abdecken.

Transporttasche und Rad im Größenvergleich

Transporttasche und Rad im Größenvergleich

Leider lässt sich die Tasche an den Seiten nicht ganz bis nach unten öffnen. Das würde das Einpacken ein wenig erleichtern. Dafür ist Höhe der Tasche ausreichend, um den Sattel nicht abschrauben zu müssen.

Da ich nur ca. 1,73 Meter groß bin, hatte ich Sorge, dass sich die Tasche aufgrund ihrer Höhe vielleicht nur schwer tragen lässt – das ist absolut unbegründet. Über die Schulter gelegt kann man das Gepäck bequem transportieren.

Tragetest der Transporttasche

Tragetest der Transporttasche

Fazit

Diese Transporttasche von Vaude ist, auch wenn ich keine Vergleichswerte habe, mit fast 80 Euro relativ teuer. Denn im Grunde ist es nur ein großer Kunststoffsack.

Die Flexibilität der Tasche ist einerseits ein Vorteil, so kann ich Sattel und Kurbeln unberührt lassen. Anderseits ist das auch ein Nachteil. Der Tasche fehlt es an Stabilität. Sie steht nicht von selber, sondern nur angelehnt. Hier könnte man im Boden oder den Seiten z.B. eine Verstärkung einarbeiten. Ich kann außerdem nicht verstehen, warum die Innentaschen grau sind. Bereits nach der ersten Nutzung sind diese sichtbar mit Dreck verschmiert. Das stört nicht, aber es muss auch nicht sein.

Insgesamt hinterlässt die Vaude Transporttasche trotzdem einen sehr guten Eindruck, ich kritisiere hier auf sehr hohem Niveau. Denn schließlich erfüllt die Tasche genau ihren Zweck: Ich kann mein Rad ohne Zusatzkosten im ICE transportieren. Zufrieden: Ja. Kaufempfehlung: Unter Vorbehalt – ich vermute, Taschen unbekannterer Marken für den halben Preis stehen dieser in nichts nach.

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